joggen ist bescheuert

Jetzt halt einfach mal den Hund!

Hallo, Sie da! Ja, genau, Sie auf dem Fahrrad. Das is doch bestimmt ihr Köter, der braune mittelgroße, der da in die Wiese rennt? Dacht ich’s mir doch. Sie können aber schon lesen, oder? Warum ich so was bescheuertes frage, weil da vorne ungefähr zwanzig Schilder rumstehen, mit der Aufforderung drauf, Hunde an die Leine zu nehmen. Is ja ein Naturschutzgebiet hier und wegen der Bodenbrüter halt. Wie, ach so der macht nichts. Ja, verstehe, aber was will er den dann von der Heidlerche da drüben? Ah so, der will nur spielen. Klar, da freut sich die Heidelerche bestimmt total drüber, dass das Hundi sie besucht. Die kann bestimmt auch mal ein Bisschen Abwechslung brauchen, is ja auch langweilig, so das Brüten. Ja, genau rufen Sie ihn doch mal, hört ja bestimmt aufs Wort – oder auch nicht. Also, ich hab den Eindruck die Heidelerche wird langsam ein klein wenig sauer. Oh, sieht fast so aus, als will die ganz sicher nicht nur spielen. Ja, ich glaub auch, Sie steigen jetz besser mal ab und stehen dem Kläffer bei. Klar, das “Bitte auf den Wegen bleiben”- Schild übersehen wir einfach mal. Sieht ja eh bescheuert aus hier mit den Schildern überall, braucht doch kein Mensch.

Nur kein Neid

Also ich muss ja ehrlich zugeben, es gibt tatsächlich Leute, die ich um ihren Laufstil beneide. Die sehen bei Kilometer 10 immer noch so aus, als würden sie gerade elfengleich über von Morgentau zart benetztes Gras hüpfen. Ich glaube, bei denen federt sogar Asphalt nach. Kein einziges Schweißtröpfchen ziert die Stirn und Seitenstechen oder Fersenblasen kennen die nur vom Hörensagen. Solche Menschen gehn dann in der Mittagspause mal eben ein Stündchen Laufen. Klar is ja kein Problem, die müssen danach ja nicht mal duschen. Wahrscheinlich haben die wie Clark Kent den Supermann- äh Sportdress direkt unter dem Businessanzug und der wird sich dann flugs hinter einer Telefonzelle vom Leib gerissen und los geht’s im Sauseschritt. Wenn überhaupt jemand Laufleggings tragen kann, dann die.
Knieschmerzen oder dicke Knöchel sind für solch leichtfüßige Kreaturen lediglich Bestandteil schauriger Geschichten von fernen Bekannten. Eine orthopädische Arztpraxis haben die noch nie im Leben von innen gesehen, ganz zu schweigen von Kernspintomografen.
Wenn man die so sieht könnte man fast auf die Idee kommen, Joggen macht Spaß. Aber ich weiß ja, dass das nicht stimmen kann, ich bin ja nicht bescheuert!

Das ABC der Läufertypen: Die Gelegenheitsläuferin

Die Gelegenheitsläuferin zeichnet sich in erster Linie durch entweder völlig ungeeignetes (die ausgelatschten Turnschuhe, die noch hinten im Schrank zu finden waren) oder völlig überdimensioniertes Schuhwerk (die in einem Anfall von Selbstüberschätzung im Fachgeschäft erstandenen 200 Euro High Tech-Treter) aus.
Was das Outfit anbelangt, gibt es unter Gelegenheitsläuferinnen durchaus ein breites Spektrum. Da findet sich alles, von verwaschenen XL-Shirts kombiniert mit ausgeleierten Gymnastikleggings, bis hin zum sexy Juicy Couture Frotte-Jogginghöschen mit rosa Stretchtop, ganz wichtig bei dieser Variante, die zum Anzug gehörige Jacke muss lässig um die Hüften geknotet sein.
Ihr Laufstil ist gekennzeichnet durch langsames Tempo, relativ große Schrittlänge und natürlich durch überproportional häufige Unterbrechungen für Gehpausen, stehts mit in die Hüfte abgestützem Arm, wegen dem Seitenstechen und geräuschvollem nach Luft ringen, wegen der ungewohnten Anstrengung. Ihre Lauffrequenz schwankt zwischen einmal im Jahr am ersten sonnigen Tag des Frühlings in der Woche, in der die neue Brigitte-Diät erschienen ist und einmal im Monat gemeinsam mit der besten Freundin, denn zu zweit fällt das Seinlassen schwerer.

Risikofaktoren:

  • Mangelndes Aufwärmen, wenn man sich schon aufgerafft hat, endlich Laufen zu gehen, will man sich ja nicht durch nervige Dehnübungen aufhalten.
  • Möglicher mangelhafter Gesamttrainingszustand im Fall von völliger anderweitiger Sportabstinenz, ansonsten möglicherweise nur Muskelgruppen trainiert, die fürs Joggen völlig unwichtig sind.
  • Mögliches suboptimales Schuhwerk (s.o.)

Mildernde Umstände:

  • Niedrige Trainingsfrequenz, wer seltener läuft, tut sich logischerweise auch seltener was.
  • Kürzere Trainigsdauer, wer kürzer läuft, hat logischerweise weniger Zeit sich zu verletzen.
  • Geringere Trainingsintensität, wer langsamer läuft, strapaziert seine Sehnen, Bänder und was da sonst alles noch eine Rolle spielt, logischerweise weniger.

Soundtrack: Yolanda Be Cool – We No Speak Americano

R. I. P.

Der Legende nach ist er gestorben, der allererste Marathonläufer. Mit letzter Kraft konnte er nach der Schlacht von Marathon den Athenern gerade noch so den Sieg über die Perser verkünden und dann war’s um ihn geschehen. Wohlgemerkt, er hatte einen triftigen Grund, die Strapazen auf sich zu nehmen. Es ging sozusagen um Leben und Tod, man war schließlich im Krieg und so.
Ich dachte ja erst, das legt sich wieder, dieser Wahnsinn mit dem Marathongelaufe. Hab zahlreiche Mitglieder des Freundeskreises trainieren, manche auch wieder aufgeben sehen. Hab Zieleinläufe beklatscht und T-Shirt-Trophäen bewundert und immer still bei mir vermutet, das geht vorbei, im Grunde ist der Mensch vernunftbegabt. Wir sind Gott sei Dank nicht im Krieg, es gibt keine drängenden Gründe sich halbtot zu quälen.
Aber nein, es nimmt kein Ende, vergangene Woche hat die nächste ihre Teilnahme am örtlichen Marathon-Großevent verkündet. Bis dato absoluter Sportmuffel und “mit dem Auto zum Postkasten”-Fahrer. Ab jetzt straffer Trainigsplan, Pulsuhr und Laufleggings. Scheinbar ist die allgemein gültige Liste, was man im Leben alles erreicht haben sollte, soeben um einen Punkt erweitert worden. Ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, einen Sohn zeugen, einen Marathon laufen. Ich fand die Liste ja immer schon irgendwie bescheuert.

Heiter bis wolkig

Ach, wie schön, der sibirische Winter hat ein Ende. Pssst, Vorsicht, noch ist die potentielle Kaltausläufer-Jahreszeit nicht ausgestanden. Also, klopf ich mal eben zur Sicherheit auf Holz und hoffe das Beste.
Irgendwie waren die arktischen Temperaturen und die damit einhergehenden Straßenverhältnisse wohl sogar zu unwirtlich zum Joggen. Nur hin und wieder ist mir in den vergangenen Monaten einer von der ganz harten Truppe über den Weg gelaufen.
Jetzt merkt man direkt, wie ein Ruck durchs Land geht und sich freudige Motivation breitmacht, der Boden vibriert fast ob all der Läufer-Herzen, die täglich mit der Sonne aufgehen. Die Laufschuhe werden hinterm Ofen hervorgeholt, die Leggings und Funktionsoberteile im Schonwaschgang bereit gemacht für den ersten Trainingstag. Bald schon wird auch der ein oder andere Discounter wieder ein Läuferspecial ins Aktionssortiment aufnehmen.
Verschiedenste Ziele werden gesteckt, von “ich will wieder in meine Lieblingshose passen” über “jetzt wird dem Hexenschuss ein für alle mal der Gar ausgemacht” bis hin zu “2010 wird mein Jahr! Ich werde ihn endlich bezwingen diesen Halbmarathon und nicht schon wieder nach drei Wochen frustriert die Flinte ins Korn werfen”.
Ich muss zugeben, ich kann sie fast ein bisschen verstehen, diese Vorfreude.
Nach einen halben Jahr ohne Sonne, stattdessen mit Frostbeulen-Gefahr wann immer man das Haus verlassen musste, hab auch ich irgendwie das Bedürfnis nach Bewegung an der frischen Luft. Keine Angst, ich bin nicht ins feindliche Lager übergelaufen. Ich bin ja nicht bescheuert!

Es regnet, es regnet, die Erde wird nass…

So, Herrschaften, die Schönwetter-Jahreszeit ist endgültig vorbei. An vier von fünf Tagen ist die Regenwahrscheinlichkeit deutlich jenseits der 70 Prozent und es wäre langsam aber sicher an der Zeit sämtliche Outdoorsportaktivitäten einzustellen. Käme ja jetzt auch keiner auf die Idee in Deutschland Mitte November Surfen zu gehen oder meinetwegen ins Freibad. Oder nicht? Sag ich doch!
Ja, auch wenn das hinten und vorne Sinn macht, muss es noch lange nicht für jeden gelten. Wie solls auch anders sein, es wird auch im Regen fleißig weiter gejoggt. Dazu fallen mir spontan verschiedene Erklärungsmöglichkeiten ein. Die erste und nach wie vor für mich im Gesamten plausibelste wäre die mit dem Masochismus. Peitschender Regen auf vom Läuferhöschen entblößten Oberschenkel kann sicherlich auf so manchen eine stimulierende Wirkung haben. Ich bin da ja im Grunde ein toleranter Mensch, chaqu’un a son gout und so. Also bitte, lasst Euch nicht aufhalten, knock yourself out!
Vielleicht hat auch der ein oder andere einen unbewussten Todeswunsch, so eine Lungenentzündung wär da wahrscheinlich nicht die schlechteste Variante.
Oder aber das sind einfach alles ausgemachte Angeber. Seht mich an, ich bin wasserabweisend! Nein, ich bin aus Teflon! Ich trotze den Naturgewalten! Ich bin UN-KAPUTT-BAR! Leute, ich bitte Euch, das nimmt Euch doch eh keiner ab, wir sind doch nicht bescheuert!

Warum nur abends, wenn’s auch morgen’s geht

Ich war grad im Urlaub, am Gardasee, ist ja kein Geheimnis. Kann ich auch durchaus empfehlen, wenn’s nicht grad regnet sehr malerisch. Und bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Surfen, Fahrradfahren, Klettern oder halt einfach Wandern. Wobei der sportliche Wert hier mit Sicherheit in Frage gestellt werden kann. Denn gewandert wird in der Regel ein gutes Stück unter dem Belastungspuls. Ob man da dann noch von Sport sprechen kann, schwierige Frage.
Wenn man jetzt also tagsüber ein ordentliches Surf- und/oder Radfahrpensum – oder was der Bewegungsfanatiker sich sonst so aussucht – hinter sich gebracht hat, könnte man ja meinen, dass man nach einer großen Portion Kohlehydrate in Form von landestypischer Pasta erschöpft und zufrieden mit dem Tagewerk auf das Sportlerlager sinken kann. Aber nein, zum Ausgleich oder um den Kalorienverbrauch von 5000 noch schnell vollzumachen oder wahrscheinlich einfach um das Trainingslager für den nächsten Halbmarathon nicht abreißen zulassen – es wird gejoggt.
Am letzten Tag bin ich aus Versehen mal etwas früher aufgestanden, auf dem Weg zur Liegewiese kamen sie mir entgegen. Alles klar, hab ich mir da gedacht, nur die Harten kommen in Garten! Warum nur abends joggen, wenn man auch morgens kann, is ja schließlich Urlaub, muss man sich so viel erholen, wie’s nur geht. Die sind doch alle bescheuert!

Nichts essen ist auch keine Lösung

Ich hab Angst, ernsthaft jetzt. Wenn das so weitergeht, wird noch eine von denen verhungern. Und warum? Weils schee macht?
Na also, ich weiß nicht recht. Früher hat man Mädels, die so ausgesehen haben zum Auffüttern aufs Land geschickt. Peinlich war das, weil es den Verdacht nahelegte, man könne sich nichts anständiges zu Essen leisten.
Heutzutage steht das Körperfett-Muskel-Verhältnis direkt umgekehrt proportional zum Bankkonto. Wer es sich leisten kann, lässt sich ein- bis dreimal täglich vom Personal-Trainer foltern und isst zwischendurch Makrobiotisches aus glücklichen Pflanzen. Oder man isst einfach gar nichts mehr, zumindest nichts das irgendwelche Nährstoffe enthält. Dann kann man sich auch den Personal-Trainer sparen, weil dafür fehlt einem sowieso die Energie. Dafür passt man dann aber in Size Zero und kann zur Not auch mal in der Kinderabteilung einkaufen. Warum man das allerdings schön finden will ist mir nicht so klar, wenn man ernsthaft drüber nachdenkt, kann man das doch eigentlich nur bescheuert finden.

Trari Trara, der Frühling ist da!

Nee, eigentlich nicht wirklich, denn sobald die Sonne untergeht, gehen auch die Temperaturen runter und zwar deutlich unter die Wohlfühlgrenze. Aber der Frühling muss schon da sein, das sagt mir die erste Sichtung eines Joggers in kurzen Hosen vor zwei Tagen. Ach, was heißt da kurze Hosen, eigentlich waren es eher Hot Pants. Wahrscheinlich hat’s ihn deswegen nicht gefroren, weils ein heißes Höschen war. Naja, Spaß beiseite, jetzt wo die Temperaturen tatsächlich deutlich milder werden, ist die Zeit des harten Kerns der Läufer-Gemeinde vorbei und die Schönwetter-Fraktion wagt sich wieder hinter dem Ofen hervor. Letztes Wochenende beim ersten Sonnenschein des Jahres hab ich einen gemütlichen Spaziergang unternommen – durch den Park. Die Strecke entlang des Rundweges umfasst circa 2 Kilometer. Ja, is schon klar, dass man da den Getränke-Patronengürtel umschnallen muss, man könnte ja eventuell verdursten zwischen Kiosk und Parkcafe. Schon bescheuert irgendwie, oder?

Die LEGGINGS!!!

Ja, ich weiß, ich hab mich schon mal drüber ausgelassen. Männer in Strumpfhosen und so. Aber jetzt mal im Ernst, es sieht einfach furchtbar aus! Wieso denn bloß, aus welchem irrwitzigen Grund ist es eines der Hauptmerkmale der Läufervolkes, enganliegendes Beinkleid zu tragen? Sicher, die Aerodynamik, aber auch das hatten wir schon. Und überhaupt, ab der Körpermitte aufwärts ändert sich da dann die Priorisierung, oder was? Kann mir doch keiner erzählen, dass die Kombination von Lurex unterhalb der Hüfte und labberiges Fleeceshirt oben in irgendeiner Art und Weise ein konsistentes Bekleidungskonzept darstellen.
Ja, ich gebs ja zu ich hab sie auch getragen in den 90ern, die Leggings. Drüber einen XXL-Pulli und dazu großformatige Holzperlenketten. Ihr braucht gar nicht so blöd zu grinsen, das HATTE man so. Außerdem war ich da erst 11 und eigentlich kam mir auch damals schon der leise Verdacht, in Wirklichkeit sieht das total bescheuert aus!

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